Girokonten bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken selten gratis


Alexander Reissner  

Girokonten sind bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken selten gratis. Nur knapp fünf Prozent der Geldinstitute bieten ein kostenloses Girokonto, wie die Zeitschrift "Finanztest" berichtete. Häufig gibt es aber kostenlose Alternativen.

Insgesamt haben die Tester bundesweit 73 Konten aufgespürt, die vollständig gratis sind. Das heißt, sie laufen ohne monatliche Grundgebühr, mit kostenloser Girocard und ohne weitere Vorgaben wie einer Mindesthöhe für den Geldeingang. Die meisten dieser Konten müssen allerdings online geführt werden.

Vor allem bei den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken (die auch Kreditkarten und Gold-Kreditkarten herausbringen, z.B. die Sparkassen-Visa-Karte) ist es laut Stiftung Warentest hingegen schwer, ein gebührenfreies Konto zu bekommen. Nur 20 von über 300 Sparkassen im Test erfüllen demnach die Vorgaben. Bei rund 500 Volks- und Raiffeisenbanken haben die Tester nur 44 Gratiskonten gefunden.

Die unabhängigen Tester von Stiftung Warentest prüfen jedes Jahr etliche Finanzprodukte. Ein weiteres Beispiel für ihre Arbeit: Im Oktober 2010 kritisierten die Warentester, dass zahlreiche Banken und Sparkassen zu hohe Dispozinsen kassieren- und das trotz historisch günstiger Kosten bei der eigenen Geldbeschaffung. Fürs Überziehen des Kontos werden im Schnitt 12,52 Prozent und teils fast 17 Prozent Zinsen berechnet, wie die Stiftung nach einer Analyse von 1000 Anbietern mitteilte. Zweistellige Zinssätze passten aber nicht zum anhaltenden Tiefstand des Leitzinses, den die Europäische Zentralbank (EZB) in der Finanzkrise bis auf ein Prozent absenkte. Gerade kleinere Regionalinstitute langten bei Dispozinsen kräftig zu. Verbraucherschützer forderten gesetzliche Konsequenzen.

Dagegen seien Zinsen für Tagesgeld und Festgeld rasch herabgesetzt worden. Der Verbraucherzentrale Bundesverband monierte, es habe den Anschein, dass Banken den Dispozins als Sanierungsprogramm betrachteten, um Verluste der Krise wieder auszugleichen. Nötig sei eine gesetzliche Begrenzung der Gewinnmarge zwischen Überziehungszinsen für die Kunden und den Zinsen, zu denen die Banken sich selbst Geld beschaffen.

Insgesamt ermittelte die Stiftung Warentest Zinssätze zwischen sechs und knapp 17 Prozent. Demnach verlangen derzeit 21 Institute mehr als 14 Prozent. Kleine Regionalinstitute seien darunter stark vertreten. Dies treffe Kunden in ländlichen Regionen besonders, die bei ihrer Filialbank bleiben möchten. Jeder Prozentpunkt an Zinsen koste Nutzer von Dispokrediten bis zu 416 Millionen Euro im Jahr.

Die Branche verwies damals darauf, dass Dispokredite besonders flexibel und die Zinsen daher höher seien als bei anderen Privatkrediten. Überziehungskredite vom Girokonto seien aber nur als Überbrückung für kurze Zeit gedacht, erklärte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Dachorganisation von Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken.



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