Statistisch betrachtet besitzt jeder vierte Bundesbürger eine Kreditkarte, für die er meist rund 20 Euro an Jahresgebühren bezahlt.
Hinzu addieren sich hohe Kosten für den Einsatz an Bargeld-Automaten. Hier werden jedesmal um die fünf Euro fällig. Zwar bescheinigt Werner Decker, Deutschland-Chef von American Express (Amex), Deutschland 2006 ein «hohes Wachstumspotenzial».
Doch für die meisten Bundesbürger ist eine Kreditkarte entbehrlich, nachdem die EC-Karte zur Maestro-Card wurde. Seitdem kann man damit nicht nur in Europa, sondern in vielen Ländern der Welt, sogar in den USA, Bargeld holen.
«In Restaurants und Supermärkten wird immer häufiger mit Kreditkarte bezahlt», sagt Decker. Doch diese Einschätzung dürfte nur für das Ausland gelten. Bei uns sind oft nur Läden und Restaurants dabei, die internationale Kundschaft haben. Denn Händler oder Gastronomen müssen zwei Prozent des Umsatzes an das Kartenunternehmen abgeben, bei Amex sind es im Schnitt sogar 2,54, bei Zahlungen mit Maestro-Karten jedoch nur 0,3 Prozent.
Mit spitzem Bleistift
Jeder Karteninhaber muss sich fragen: Welche finanziellen Vorteile stehen der Jahresgebühr von 20 Euro und mehr gegenüber? Hauptargument der Kreditkarten-Unternehmen ist der Zinsgewinn. Die mit der Karte getätigten Umsätze würden erst einen Monat später dem Gehaltskonto belastet.
Doch wer mit spitzem Bleistift rechnet, stellt fest: 20 Euro an Jahresgebühr werden erst dann aufgewogen, wenn man monatlich im Schnitt mehr als 200 Euro über die Kreditkarte kauft, statt im gleichen Zeitraum das Gehaltskonto zu überziehen, ein Dispozins von zehn Prozent zu Grunde gelegt.
Viele Leute nutzen ihre Kreditkarte aber oft nur zum Tanken. Welcher Supermarkt akzeptiert Diner's, Amex, Visa oder Mastercard? Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr rechnet sich dagegen allein schon wegen des Zinsgewinns, solange man die monatliche Gesamtsumme gleich vom Girokonto abbuchen lässt. Wer aber die Summe in Raten zurückzahlt, wird mit Zinsen über 15 Prozent bestraft.
Karten ohne Jahresgebühren sind selten. Ausnahme: Die gebührenfreie Mastercard der KarstadtQuelle Bank, die generell jedem Kunden zugänglich ist.
Die Mehrzahl der anderen Karten, ob kostenlos wie bei DKB-Bank, Comdirect oder ING-DiBa oder gegen eine Jahresgebühr ab 20 Euro, ist an die Eröffnung eines Girokontos geknüpft.
Wer oft verreist, kommt an einer Plastikkarte kaum vorbei. Denn einen Mietwagen gibt es nirgendwo ohne sie. Das gleiche gilt für Flüge, die man über das Internet bucht. Geschäftsreisende ködert man mit Service-Leistungen rund ums Reisen und mit Versicherungspaketen für den Notfall unterwegs.
Doch ein Blick in die Versicherungsbedingungen zeigt: Meist ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn der Schutz gilt nur, wenn die Reise mit der Kreditkarte bezahlt wird, was vielfach bei Reisebüros oder Veranstaltern unerwünscht ist.
Es gibt auch «teure» Karten, die sich rechnen. Das gilt zum Beispiel für die Platin Mastercard der NetBank, die es zusammen mit dem gebührenfreien Girokonto gibt. 100 Euro Jahresgebühr können je nach getätigtem Umsatz auf null Euro sinken.
Die im Preis enthaltenen, sinnvollen Policen wie Auslandskranken- oder Reiserücktrittskostenversicherung sind unabhängig vom Karteneinsatz. Bereits das zahlt sich aus: Ein Elternpaar mit zwei Kindern zahlt allein 145 Euro für eine einfache Reiserücktrittskostenversicherung bei einer dreiwöchigen Pauschalreise nach Spanien im Wert von 2900 Euro.
Quelle: Aachener Zeitung (5. Februar 2006)








